Künstliche Intelligenz und warum Kreativität diese schlagen wird

Wir lesen und hören immer mehr von künstlicher Intelligenz und dem neuen Industriezeitalter ‚Industrie 4.0‘. Doch was bedeutet dieses Zeitalter künstlicher Intelligenz und wie können wir dem durch Kreativität begegnen?

Idea Papers, Sabine Hauswirth Unternehmensberatung Rosenheim, Geschäftsmodelle

Künstliche Intelligenz (KI) und die Kreativität im Zeitalter digitaler Transformation

Zunächst einmal möchte ich kurz Künstliche Intelligenz vorstellen: Künstliche Intelligenz (KI) ist eine Technologie, die das menschliche Gehirn und somit menschliche Entscheidungsstrukturen versucht, nachzubilden. In Konsequenz bedeutet dies, dass KI in Form einer Maschine, eines Roboters, einer Figur in menschlicher Optik, Probleme versteht und bearbeitet und damit wie ein Mensch handelt. Diese neuronalen Netze, die durch künstliche Intelligenz nachgebildet werden, indem sie „denken“ und analysieren quasi wie ein Mensch, werden Probleme lösen, die heute noch von Menschen gelöst werden.

KI ist eine Technologie, die jede bisherige technische Revolution in den Schatten stellt. Sie transfomiert unsere Welt, wie bisher noch nie. Sie wird unser Leben, beruflich wie privat, auf den Kopf stellen, wörtlich genommen.

KI wird, wenn wir uns dieser Technologie, idealerweise auch im Rahmen unseres Innovationsmanagements, nicht stellen, Unternehmen verschwinden lassen, wenn wir nicht aggressiv und adaptiv-situativ genug uns dieser Technologie stellen. Dies bedeutet auch, dass wir uns dieser Technologie so stellen, dass wir sie ins Unternehmen integrieren. Zur Kehrseite komme ich später. Dass Unternehmen, Branchen und somit auch Berufe, immer schneller sich verändern oder gar verschwinden, wird Alltag werden. Dahingehend wird daher auch Ausbildung, Schule, Lernen führen müssen – uns nich mehr nur auf auswendig Gelerntes und unnötige Wissensinhalte zu konzentrieren, sondern unsere Geschwindigkeit im adaptiv-situativen und kognitiven Lernprozess zu lernen und zu trainieren. Im Umkehrschluss bedeutet das auch, holistisch und nur das zu lernen, was aktuell gebraucht wird. Auch dieser Fakt wird Bildungsträger, Universitäten & Co. vor bisher nicht geahnte Probleme stellen – plötzlich wird neues und tiefes Lernen mit ausschließlich aktuellem Hintergrund erforderlich. Basis-Lernen wird essentiell und alles, was on top kommt, muss sich anhand aktueller Wissensbedarfe ausrichten müssen. Diese sicherlich eher revolutionär ausschauende Meinung wird im Jahr 2030 so normal sein wie heutzutage der Englisch-Unterricht in allen Schulformen.

Lernen lebenslang wird deshalb auch zum Programm. KI wird all jene Jobs, wo Menschen maschinenähnliche und routineähnliche Arbeiten ausführen, die Arbeit übernehmen. Und damit diese Jobs ersetzen. Was dazu führt, dass wir immer schneller switchen müssen – unsere Berufe, unsere Lerninhalte usw.

Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass 90 Prozent der Arbeitsplätze zumindest tangiert werden. Fazit: KI betrifft daher uns alle. Wir können KI weder ignorieren, noch einfach so weitermachen wie bisher.

KI ist einer der am schnellsten wachsenden Trend. Dieser Trend ist noch kaum messbar, noch kaum bemerkbar für unser alltägliches Leben – im Hintergrund jedoch revolutioniert sie bereits unser aller Leben.

KI kann Fluch und Segen zugleich sein. Wie alle bisherigen wisschenschaftlichen Errungenschaften wird sie, je nachdem wie wir sie nutzen werden, Positives oder Negatives hervorbringen. Nicht nur der Innovator Elon Musk, sondern auch der bereits verstorbene Stephen Hawkings, haben ihre sehr starken Zweifel geäußert – wenn KI ausser Kontrolle gerät, wird sie die Menschheit und damit uns alle vernichten können.

Doch sprechen wir von den Vorteilen. Denn KI ist da, wird kommen und wird unseren Alltag revolutionieren. Also stellen wir uns dieser Technologie, indem wir sie positiv umsetzen.

Die gute Nachricht: KI wird die Fehlerhäufigkeit menschlichen Tuns aushebeln. Dort, wo höchst analytische Auswertungen erforderlich sind, kann KI eine Chance sein. Dort, wo höchst komplexe, schnelle und präzise Ergebnisse erforderlich sind, beispielsweise in der Heilbehandlung eines Tumors, wo die Intensität von Strahlen höchstkomplex von Physikern berechnet werden muss, kann KI schneller und genauer sein. Kann, muss aber nicht. Wir müssen dennoch ganz klar die Grenzen dieser hochkomplexen Technologie kennen, die auch ihrerseits höchst störanfällig sein kann.

KI geht so weit, dass sie uns nun auch dazu zwingt, das Lernen zu überdenken. Dort, wo bisher in der Schule Auswendiglernen immer wieder Sinn machte, ist zukünftig adaptiv-situatives Lernen sowie ad-hoc und somit an der jeweiligen Aufgabe (TOPIC) zum jeweiligen großen Thema (PHÄNOMEN) orientiertes Lernen erforderlich. Dort, wo Schüler bisher einzelne Bereiche auswendig und oft ohne Realitätsbezug lernten, wird zukünftig holistisches Lernen von Anfang an und Lernen von der Natur erforderlich sein. Zugleich bedeutet dies, nicht nur wieder auf grundsätzliche Skills wie Schreiben von Hand (weil das vom Gehirn besser ‚begriffen‘ wird) zurückzugreifen, sondern auch komplexere Skills wie Lernen von Programmieren, Codieren, Informatik im eigentlichen Sinn zu trainieren und zu lehren. Lernen wird wie im neu reformierten finnischen Schulsystem, dem sogenannten Lernen ausgehend von Phänomenen (phenBL), nach Phänomenen und unterteilt in Topics, erfolgen müssen – weil genau diese Struktur unser Leben immer mehr bestimmen wird: alles ändert sich immer schneller und extremer und wir müssen uns auf die einzelnen Phänomene konzentrieren, darauf situativ eingehen können und jeweilig darin zu lernen. Im eigentlichen Sinne lernen wir Change und Innovation und unsere flexible Anpassung durch lebenslanges und aktuelles Wissen. Für eine Gesellschaft, die vor allem durch Konsum und zunehmende Verdummungsinhalte in TV, Medien und Co. geprägt ist, zunehmend schwer, darauf wirklich gut reagieren zu können. Da dürfen wir uns in Deutschland auch ganz schön ins Zeug legen, wollen wir dem immer mehr auseinanderklaffenden Bildungssystem, das insbesondere darauf gebaut ist, Bildung ökonomisch besser Gestellten Vorteile zu gewähren, etwas entgegenzuhalten. Denn die ökonomische Schere hat in unserer Geschichte schon einmal das hervorgerufen, was wir sicherlich nicht noch einmal hervorrufen wollen. Und so ist denn auch meine Wahrnehmung, dass wir zunehmend ins Mittelmaß versinken und Talente dort nicht abholen, wo es sie gibt. Ob gewollt oder nicht – Fakt ist, dass wir dadurch weit abgehängt werden. Förderung schaut jedenfalls anders aus, und Talente-Förderung darf jedenfalls nicht Elite-Förderung alleine sein.

Meine unterschiedlichen Publikationen zum adaptiv-situativen Training, dem IFG-Training (Innovations-Flexibilitäts-Geschwindigkeits-Training), möchte ich hier nur am Rande erwähnen. Das wird Zukunfts-Skill werden – in einer Konsumwelt jedoch unmöglich, die Essenz und die Beschränkung auf wesentliche Informationen nicht kennt. Auch hier wird ein Umdenken und Umlernen (Breaking-the-Rules; Unlearning) zwingend erforderlich hin zu einem strategischen Reduktionsmanagement für jedermann. Ich nenne mein Konzept für Reduktionsmanagement symbolisch und alltagstauglich daher „Glück ist Knäckebrot“. Der wissenschaftliche Hintergrund ist wie bei einem chemischen Reduktions-Vorgang: aus mehr wird weniger, es wird aus der Umwelt etwas absorbiert und zu weniger, einer Essenz im eigentlichen Sinne, reduziert: Reduktion ist eine Reaktion bei der ein ein- oder mehratomiges Teilchen Ox ein oder mehrere Elektronen aufnimmt. Dabei bildet sich das Teilchen Red: O x + ne− → R e d

Im Zeitalter von KI ist dies übersetzt: das Komplexe zu filtern, Wichtiges zu verinnerlichen, Im Ergebnis eine Vereinfachung herzustellen und so zu einer Lösung zu kommen. Komplexes filtern wir nur durch Reduktion und dem Zurücknehmen von Zuviel.

Hierfür müssen wir lernen, komplexe Fragestellungen in kürzerer Zeit zu bearbeiten. Dies können wir nur, wenn wir der Reizüberflutung entkommen sind. KI wird uns zusätzlich zwingen, unnötige Wissensinhalte erst gar nicht anzueignen – dazu haben wir keinerlei Zeit mehr. Wir kommen um die Essenz von allen möglichen (Lern-)Inhalten nicht mehr herum. Wir müssen also unsere Kinder dazu erziehen im Privaten wie im Öffentlichen Bereich (Schule, Bildung, Institutionelles Lernen), dass sie die Essenz hinter den Dingen erkennen und erzeugen. Dazu gehört insbesondere das Aufgeben von Helikoptertum, Tätschel-Hätschel-Pädagogik, sondern einfach nur Natur-Erfahrung, Selbst-Erfahrung und Selbst-Bestimmung und Gruppen-Arbeiten anstatt Verwaltung. Dies wird uns auch wieder dazu bringen müssen, manche Dinge und Probleme im Try-and-Error-Modus eines Forschers in Aufgaben/TOPICS zu beginnen, dann weiterzuforschen, dann zu analysieren, dann zu filtern und dann zu einem essentiellen Ergebnis zu kommen. Ich habe dies in meiner Entwicklungsformel 1+4= ONE alltagstauglich entwickelt und übersetzt für den regelmäßigen Gebrauch in Unternehmen & Co..

Die Essenz zu erhalten, wird wesentlich sein, um schneller vorwärts zu kommen, ohne dabei auszubrennen. Und dabei zugleich unser Leben in ein Reduktionsmanagement zu bringen – nicht mehr dies und das und das und dies und auch jenes noch zu beachten, zu tun, zu wollen, zu müssen – nein: KI wird uns Menschen dazu zwingen, uns aufs Wesentliche zu konzentrieren, dabei vor allem unsere Kreativität lebenslang zu trainieren, weil das nach wie vor von KI nicht nachgebildet werden kann. Wir werden Kreativität trainieren, diese in Verbindung mit KI einsetzen- um gesund zu überleben und dabei Mensch zu bleiben.

KI kann eine Chance sein – sie wird für viele Wirtschaftszweige eine große Chance darstellen. KI zu stark reglementieren zu wollen, wird Innovation und damit Wachstum für große Wirtschaftsbereiche verhindern. Reglementierung wird dort not-wendig, wo KI ins Desaströse, Destruktive, Manipulative und damit für Mensch, Wirtschaft und Gesellschaft zerstörerisch wirken wird.

KI wird zukünftig folgende Bereiche stark beeinflussen und positiv unterstützen:

  • Unterstützung in der Altenpflege
  • Unterstützung im medizinischen Bereich
  • Unterstützung in der (öffentlichen) Verwaltung
  • Unterstützung im Sport (z.B. für Schiedsrichter)
  • Unterstützung im Deep Learning (Weiterbildungs-Sektor)
  • Unterstützung im Bereich HR/Personalabteilungen
  • Unterstützung in vielen analytischen Bereichen (z.B. juristische Recherche für Rechtsanwälte, Finanzanalysen usw.)

ABER: wenn wir uns durch KI diktieren lassen, geben wir Kontrolle aus der Hand. KI wird aktuell bereits massiv von China und den USA eingesetzt. Europa steht noch etwas dahinter. Dies ist sicherlich auch gut so – dies ist zugleich eine Chance für Europa, KI einen Stellenwert im positiven Sinn mit entsprechender Reglementierung und Werte-Verbindung zu verhelfen.

Eines dürfen wir in dem Zusammenhang endlich erkennen: eine der wesentlichen Zukunfts-Skills von Mitarbeitern werden genau wegen des Hintergrunds KI folgende Skills sein:

  • Kreativität und damit einhergehend Ideen- und Einfallsreichtum sowie Flexibilität und schnellere Reaktionsgeschwindigkeit
  • Problemlösung komplexer Fragestellungen
  • Empathie und soziale Kompetenz

Dies kann man schon seit Jahren beim World Economic Forum nachlesen, wenn man sich für Zukunftsforschung interessiert. Dies ist also nichts Neues, was ich hier schreibe.

In Konsequenz bedeutet dies Wissensvermittlung für neue Technologien wie KI, gleichwertig neben Herzensbildung und Kreativitätsförderung. Beginnend in Elternhäusern, der Schule, fortgesetzt in den Unternehmen – lebenslang. Ich setze mich nunmehr seit fast 4 Jahrzehnten für die Bildung der Kreativität ein – weil sie nachweislich auch noch andere positive Faktoren mit sich bringt ausser Einfallsreichtum und Flexibilität. Dass ich dabei immer nur belächelt wurde, nehme ich einfach wie alles Andere an Reaktionen hin und lächle dann einfach in mich hinein – denn wer zuletzt lacht…… Kreative Eigenschaften werden zukünftig mehr denn je benötigt – Kreativitätstraining wird heutzutage ganz einfach nicht mehr belächelt noch stiefmütterlich behandelt werden können. Es wird zwingender Bestandteil in Wirtschaft und Gesellschaft sein müssen, wollen wir als Menschen überleben im Zeitalter von KI und damit im Zeitalter von Industrie 4.0. Da KI ein hochkomplexes Thema ist, und so wie es Elon Musk auch aktuell wieder einmal betonte, sehr störanfällig, was wiederum zu enormen Kosten führt, werden wir als Menschen nicht umhinkönnen, uns selbst so gut aufzustellen, dass WIR MENSCHEN es sind, die das Zeitalter von Industrie 4.0 mit unserer Kreativität und Flexibilität steuern und in die Hand nehmen. Daraus entsteht die Fähigkeit, wie im Fußball schnell umzuschalten oder übersetzt: schnell in die adaptiv-situative Anpassungsfähigkeit zu gelangen, was nichts Anderes ist wie evolutionäre Anpassung. Somit können wir echt gestalten, anstatt zu funktionieren oder nur zu reagieren.

Diese Fähigkeiten erlangen wir allerding nur, wenn wir Reduktions-Management in unser Leben einbringen. Dauer-Stress und Dauer-Funktionieren setzen nicht nur unseren Verstand aus und bringen Fehlerhäufigkeit und im schlimmsten Fall Chaos, sondern lassen auch keinerlei Flow, was u.a. Voraussetzung für Kreativität und Einfallsreichtum ist. Ich nenne dieses Reduktionsmanagement symbolisch ‚Glück ist Knäckebrot‘.

Als Fazit zu meinen Thesen sage ich: wir benötigen konsequentes und strategisches Innovationsmanagement, das nicht ausschließlich betriebswirtschaftliche Komponenten beinhaltet. So wie ich Innovationsmanagement definiere, gehört der Mensch in den Mittelpunkt dieses Kern-Themas gestellt, indem er sich laufend entwickeln kann, um den Change selbst aktiv mitzugestalten. Die Rahmenbedingungen sind auch hier wir vorgenannt: mit einem entsprechenden Reduktionsmanagement, das bestenfalls auch das Lifelong Work Szenario im Auge behält und dementsprechende Lifetime Modelle als Arbeitsmodelle anbietet. KI wird dann zur Begleiterscheinung und bestenfalls ein gutes Hilfsmittel für den Menschen.

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